Ferien auf dem Bauernhof

Mein junges Leben auf dem Schneebergerhof in Pfälzisch-Sibirien verlief unspektakulär. Ich bin in die Schule gegangen, weil ich in die Schule gehen musste – und zwar in Kirchheimbolanden. Ich kam also nicht aus der „Gegend“, war lange Zeit der Kleinste und trug selbstgenähte Klamotten. Der klassische Außenseiter.
Meine Eltern hatten einen Bauernhof. Bei uns wurde immer gespart. Auch heute halten mich meine Eltern zur Sparsamkeit an. Sie wollten auch nie, dass ich einen Kredit aufnehme. Das geht für sie nicht, mit fremdem Geld irgendetwas kaufen …

Ställe ausmisten

Mein Bruder fand es in Ordnung, auf dem Bauernhof zu arbeiten. Ich nicht. Meine Mitschüler lagen in den Ferien am Gardasee und ich musste Ställe ausmisten, Rüben hacken und mit dem Traktor im Kreis fahren. Schon damals habe ich mich gefragt, ob wir die Natur zum eigenen Vorteil gnadenlos ausnutzen dürfen: Warum muss der Baum dem Acker weichen? Warum wird der Bach zubetoniert? Warum wird eine Kuh nie gestreichelt?

Physik – wie der Bruder

Nach dem Abi 1989 war klar: Ich werde weder Lehrer noch Bauer. Und weil mein Bruder Physik studierte, tat ich es auch. Mit 19, 20 habe ich gemerkt: Da gibt es ja noch was anderes als Lernen und Arbeiten, nämlich Party feiern und in Urlaub fahren. Freizeit! Nach dem Vordiplom in Physik hab ich mit Mathe und Sport begonnen – auf Lehramt – just for fun. Das Sportstudium hat viel Spaß gemacht und fiel mir leichter. Und das war wichtig: Einfach sollte mein Leben sein.

Easy going

1990 machte ich einen Computerhandel auf und baute Rechner für Freunde und Bekannte. Damit war ich in der Lage, mit möglichst wenig Aufwand mein Studium zu finanzieren. Alles war perfekt eingetaktet, damit ich nachmittags Schwimmen gehen oder einfach nur in der Cafeteria sitzen und mit Freunden quatschen konnte. Mein Ziel: Viel Freizeit, wenig Aufwand und genug Geld zum Leben. Nach dem Physikdiplom im Sommer 1993 begann ich, meine Doktorarbeit zu schreiben. Es war eigentlich ein langweiliges Thema: „Dielektrische Untersuchung an zweidimensionalen glasartigen Adsorbitfilmen.“ Aber ich kam gut voran. Easy going.

Heute würde ich sagen: Die Berufung fehlte.