Eine Million

Als ich vor etwa 15 Jahren während eines Krankenhausaufenthaltes erkannte, welche Bedeutung Windenergie – und in Folge Erneuerbare Energie – für uns haben könnte, war sofort klar: Mein erstes Windrad sollte auf dem elterlichen Hof am windigen Schneeberg stehen. Meine Eltern hatten inzwischen ihre Landwirtschaft aufgegeben. Genug Platz war vorhanden.

So ein Unsinn

Grundsätzlich ging ich immer davon aus, dass jeder so begeistert reagierte wie ich. Einige Wochen nach meiner Entlassung – ich hatte mich bereits umfassend informiert – erzählte ich alles meinen Eltern. Mein Vater Hans, der ja wusste, dass ich über keine großen Geldmengen verfügte, war ziemlich entsetzt. Als er hörte, dass es sich um eine Investition in Höhe von einer Millionen Mark handelte, meinte er nur: „So ein Unsinn. Wenn Du das machst, brauchst Du nicht mehr nach Hause zu kommen.“ Damit hätte ich das Projekt begraben können; denn schließlich sollte die Investition ja auf seinem Acker stattfinden. Erledigt? Für mich noch lange nicht!

Noch heute einer der besten

Mein Vater hatte natürlich Sorge, dass etwas schief gehen könnte, dass eine Million weg ist, wenn das Projekt nicht funktioniert. „Das kann net gut gehe!“ Also musste ich seine Angst entschärfen. Ich suchte Mitfinanzierer, die mit mir das Risiko teilten – Freunde, Bekannte. Parallel zu meiner Doktorarbeit und dem Sportstudium installierten wir das Windrad auf dem Hofgelände mit allem, was dazu gehörte. Das ist heute noch einer unserer besten Standorte.

Acht Monate später – von der ersten Idee im Krankenhaus an, wo ich noch keinen blassen Schimmer von Windenergie hatte – waren eine Million investiert. Am 15. Mai 1996 stand die Anlage, am 13. Juli wurde sie eingeweiht. Wir hatten 500 Leute zur Party erwartet. Es kamen 3.500!

Doktor adé

Nach der Feier spielte mir ein Bekannter ein Spiel auf meinen Computer. Das war’s mit meiner Doktorarbeit. Der Virus zerstörte meine gesamten Untersuchungen. Natürlich hatte ich ein Back up. Die Diskette befand sich in meiner Tasche. Als ich sie hervorholen wollte, stellte ich fest: Tipp ex war ausgelaufen und hatte meine Diskette zerstört. Bis nach Ungarn hab ich meine Festplatte geschickt. Es war nichts zu retten. Ein halbes Jahr später habe ich das Projekt Doktorarbeit zu den Akten gelegt. Es blieb beim Diplom-Physiker. Bereut habe ich das nie.

Schlussendlich hatte ich auch Wichtigeres zu tun.